Symptome im Sterbeprozess

Sehr geehrte Angehörige,

das Versterben eines Menschen, der Ihnen nahesteht, ist ein einschneidender Prozess. Viele Begleitende haben verständlicherweise Angst vor dem Abschiednehmen.

Wir möchten Ihnen einige Symptome aufzeigen, die Versterbende in der letzten Phase (Finalphase) ihres Lebens entwickeln können.

Auch wenn Ihr Angehöriger im Sterbeprozess nicht mehr da zu sein scheint – innerlich geschieht viel.

So kann Stille die Sprache des Übergangs sein.

Ihre Nähe und Fürsorge, durch Ihre Stimme und Ihre sanften Berührungen, schaffen eine tiefe Verbundenheit.

Wahrnehmbare Veränderungen

  • Der Blick geht in die Ferne, es findet keine Blickfixierung mehr statt; oft halboffene, tief eingefallene Augen
  • Entfärbung und/oder Blaufärbung der Finger- und Zehennägel
  • Marmorierung der Extremitäten
  • Entfärbung der Region zwischen Mund und Nase („Mund-Nasen-Dreieck“)
  • Ansteigen der Körpertemperatur und verändertes Wärmeempfinden
  • Aufmerksame Fokussierung auf etwas, das die Begleitenden nicht wahrnehmen können
  • Veränderung der Sinneswahrnehmung – etwa Stimmen von Verstorbenen hören; Geräusche der Umwelt stören oder sind zu laut, die Bettdecke ist zu schwer, das Licht ist zu hell
  • Zunehmende Apathie und Bewusstlosigkeit

Die Finalphase / Sterbephase

Folgende Verhaltensveränderungen und Symptome bei Schwerkranken können auf den nahen Tod hinweisen (nach Kern und Nauck 2006):

  • Extreme motorische Unruhe: wiederholter Drang zum Aufstehen, Nesteln, Umhergreifen, Entkleiden oder das Wegschieben der Bettdecke (Streichen, Zupfen, Glätten)
  • Suchend nach oben fassen
  • Namen rufen
  • Ablehnendes und aggressives Verhalten bei Kontaktaufnahme
  • Vermehrte Müdigkeit und Teilnahmslosigkeit, zunehmende Schläfrigkeit mit längeren Schlafphasen bis hin zum Koma
  • Reduzierung der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme bis hin zum vollständigen Verzicht
  • Reduzierung der Urinausscheidung, Inkontinenz oder Harnverhaltung
  • Schwache Durchblutung: kalte Füße, Arme und Hände, Schwitzen

Typische Anzeichen des Sterbeprozesses

Kaum noch Hunger oder Durst

Die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme reduziert sich auf ein Minimum. Das ist ein natürlicher Prozess, der den Körper nicht belastet. Im Sterbeprozess können Magen, Darm und Co. mit Nahrung nichts mehr anfangen. Im schlimmsten Fall landen Flüssigkeiten an Orten, wo sie nicht hingehören – zum Beispiel in der Luftröhre, was zusätzliches Leiden verursachen kann.

Statt zu versuchen, den Sterbenden zum Essen oder Trinken zu überreden, können Angehörige die Lippen mit einem feuchten Tuch befeuchten, um ein angenehmes Gefühl zu verschaffen.

Auch die passende Mundpflege kann noch angenehm sein: Den Mundraum mit einem kleinen feuchten Schwämmchen zu säubern, hilft gegen Trockenheit und mögliche Entzündungen. Idealerweise ist der Schwamm mit einer leicht säuerlichen Flüssigkeit wie etwa Apfelschorle angefeuchtet – das regt den schützenden Speichelfluss an. Wohltuend können auch Eiswürfel mit Geschmack sein, je nachdem, was die sterbende Person mag.

Energieverlust und Zentralisierung

Menschen, die im Sterben liegen, ziehen sich zunehmend aus der Außenwelt zurück. Gespräche werden seltener, und viele schlafen die meiste Zeit.

Zum Sterbeprozess gehört die so genannte Zentralisierung: Kalte Hände, Füße oder bläuliche Hautverfärbungen sind Anzeichen dafür, dass der Kreislauf langsamer wird und die „Außenstellen“ des Körpers weniger durchblutet werden. Die Körpertemperatur sinkt und die Haut wird feuchter. Auch Entgiftungsorgane wie die Niere funktionieren immer weniger. Das kann für Mattheit und Verwirrung sorgen. Muskelzuckungen und unwillkürliche Bewegungen sind normal und müssen kein Anzeichen von Schmerz sein.

Veränderungen im Bewusstsein

Viele Menschen fallen in einen dämmrigen Zustand oder sind kaum noch ansprechbar. Einige erleben noch einmal einen Moment der Klarheit, in dem sie sich verabschieden können. Oft warten Patientinnen und Patienten auch noch auf die Anwesenheit eines nahen Angehörigen, bevor sie in Ruhe loslassen können.

Veränderte Atmung

Sterbende atmen viel unregelmäßiger und mit großen Atempausen. Ein weiteres häufiges Symptom ist die so genannte Rasselatmung. Diese kann sich laut und nach Luft ringend anhören und wird durch Sekrete in den Atemwegen verursacht. Sie werden nicht mehr abgehustet, weil der Hustenreflex in den letzten Tagen und Stunden versagt.

Die Rasselatmung entsteht durch Schleim in der Lunge, den der Versterbende nicht mehr abhusten kann. Es ist keine Flüssigkeit in der Lunge, und der Versterbende hat kein Erstickungsgefühl – auch wenn es für Angehörige und Begleitende so erscheint.

Der letzte Atemzug

Im letzten Schritt setzt die Atmung aus. Oft kommt es vor, dass Sterbende einige Minuten lang schon nicht mehr atmen und dann aber noch einen oder mehrere letzte tiefe Atemzüge nehmen. Das kann für Anwesende sehr erschreckend wirken, ist aber ein normales Phänomen.

Danach versiegt die Atmung, der Herzschlag stoppt, die Versorgung des Körpers endet und der Mensch ist biologisch tot.

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Quellen